Solothurner Zeitung vom 25. August 2004
Die Nähe zu den Pfarreien wird in der neuen Bistumsstruktur gross geschrieben. Heute Abend wir die Leitung der Region Bern-Jura-Solothurn feierlich eingesetzt. Bischofsvikar Arno Stadelmann steht Red und Antwort.
Elisabeth Seifert
Die Kommunikation und die Vernetzung zwischen dem Bistum und den Pfarreien soll einfacher, direkter und flüssiger werden», erläutert Arno Stadelmann, Bischofsvikar der Bistumsregion Bern-Jura-Solothurn den Zweck der neuen Bistumsstruktur. Seit dem 1. Juli dieses Jahres ist die «Grossräumige Regionalisierung» des Bistums Basel bereits in Kraft. Damit besteht die grösste Diözese der Schweiz nicht mehr wie bis anhin aus zehn Bistumskantonen mit je einem Regionaldekanat, sondern aus drei Bistumsregionen (siehe Kasten).
Die Regionalleitungen mit einem regionalen Bischofsvikar an der Spitze und weiteren Mitarbeitern werden während diesen Tagen von Bischof Kurt Koch in einer Zeremonie in ihr Amt eingesetzt. Für die Leitung der Bistumsregion Bern-Jura-Solothurn (St. Verena) ist es heute Abend in der Kirche Christ König in Biel soweit: Neben Bischofsvikar Arno Stadelmann wird der bisherige langjährige Regionaldekan Robert Geiser feierlich mit dem Amt des Regionalverantwortlichen betraut. Pierre Rebetez übernimmt als Délégué épiscopal die Verantwortung für den französischsprachigen Teil der Region.
«Eine lebendige Relaisstation»
Die Regionalisierung garantiert gemäss Stadelmann eine schlankere Führungsstruktur, indem die heutige dreistufige Führung mit dem Bischofsrat, der Regionaldekanenkonferenz und den einzelnen Regionaldekanaten durch ein zweistufiges Modell mit dem Bischofsrat und den Regionalleitungen ersetzt wird. Die drei Regionen sind dabei mit jeweils zwei Repräsentanten im Bischofsrat vertreten. Eine Ausnahme bildet die Bistumsregion St. Verena, die mit allen drei Mitgliedern im bischöflichen Beratungsgremium sitzt, wodurch dem französischsprachigen Teil des Bistums ein entsprechendes Gewicht verliehen wird.
«Die Regionalleitungen informieren die Dekanate und die Pfarreien über die pastoralen Projekte des Bistums» skizziert Stadelmann eine wesentliche Aufgabe seines Teams. Andererseits gelte es «offene Augen und Ohren dafür zu haben, was in den einzelnen Pfarreien und Dekanaten gut oder weniger gut gelingt.» Die Regionalleitungen seien als besonders «sensible Gefässe» konzipiert, um solche Entwicklungen schnell zu erkennen und entsprechend darauf reagieren zu können. «Wir sind eine Art lebendige Relaisstation zwischen dem Bistum und den Pfarreien», meint Bischofsvikar Stadelmann.
Neben den pastoralen Fragen nehmen sich die regionalen Bischofsvikare und ihre Mitarbeitenden in verstärkter Form als die Regionaldekane vor ihnen den Vakanzen auf der Ebene der Pfarrgemeinden an. «Wir erarbeiten hier zusammen mit den entsprechenden Behörden Anforderungsprofile, in welche auch langfristige Überlegungen des Bistums einfliessen sollen», meint Stadelmann, der bis vor kurzem für das Personalamt im Bistum Basel verantwortlich war.
Die neue Bistumsstruktur ermögliche zudem kantonsübergreifende pastorale Projekte, etwa im Bereich der kirchlichen Ausbildung oder bei der Organisation von Jugendaktivitäten. «Dieses Denken in grösseren Räumen entspricht der Mobilität der Leute», weiss Stadelmann. Gerade diese Zusammenarbeit über die kantonalen Grenzen hinweg bedeute aber auch eine grosse Herausforderung, weil bis anhin nur die «kantonalen Gefässe» bestehen.
Eine kleine Revolution
«Im Vergleich zur bisherigen Struktur mit einem Regionaldekan an der Spitze arbeiten wir in den Bistumsregionen neu in einem Team zusammen», unterstreicht Stadelmann einen weiteren zentralen Aspekt der neuen Organisation. Dies bedeute unter anderem, dass die Regionalleitung ein «Abbild der seelsorgerlichen Situation sein soll». So wie auf der Ebene der einzelnen Pfarreien Priester und Laientheologen bereits «sehr gut zusammenarbeiten», werden künftig dem Bischofsvikar ein Laientheologe oder eine Laientheologin als Regionalverantwortlicher oder Regionalverantwortliche beigeordnet. Er oder sie wird gemeinsam mit dem Bischofsvikar im Bischofsrat sitzen, wodurch erstmals Laientheologen als Berater des Bischofs wirken – eine kleine Revolution ganz zweifellos. Während für die anderen beiden Bistumsregionen dieses Postulat bereits Wirklichkeit geworden ist, muss sich Bern-Jura-Solothurn aus organisatorischen Gründen noch etwas gedulden.