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Regionalisierung: Kantone verlieren an Bedeutung

Neue Luzerner Zeitung vom 2. Juli 2004

Die Bistumskantone im Bistum Basel werden neu zu Regionen zusammengefasst. Kritiker befürchten mehr Zentralisierung und beurteilen die angestrebte Basisnähe skeptisch.

Die Diözese Basel sei das «schwierigste Bistum der Welt», soll Papst Gregor XVI. in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gesagt haben, wie Bischof Kurt Koch im vergangenen August am 175-Jahr-Jubiläum des Bistums Basel in Erinnerung rief.

Tatsächlich handelt sich um ein vielgestaltiges und für Schweizer Verhältnisse überproportional grosses Bistum, das zehn Kantone mit 1,1 Millionen Katholiken in 530 Pfarreien und Pfarrrektoraren umfasst. Für Bischof Kurt Koch war bald nach seinem Amtsantritt klar, dass die föderalistischen, komplizierten Leitungsstrukturen im Bistum Basel verändert werden müssen.

Laien in Leitungsfunktionen
«Das Hauptproblem von Bischof Koch lag darin, dass er seine Anliegen bisher nicht in effizienter Form an die Regionen vermitteln konnte», erklärt Pater Roland Trauffer, Generalvikar des Bistums Basel und damit Stellvertreter von Bischof Koch. Ein entscheidendes Ziel der Reorganisation war es, dass durch die Vereinfachung der Bistumsorganisation von zehn Bistumskantonen auf drei Bistumsregionen «die Dienstwege kürzer werden». Zudem werde es durch die Reorganisation möglich, dass künftig nicht mehr Einzelpersonen, sondern Teams von drei Personen mit der Leitung einer Region betraut werden. Die neue Zusammensetzung der Teams biete ein besseres Spiegelbild der gegenwärtigen Situation im Bistum Basel. So werden neben den drei Bischofsvikaren auch Laientheologen - Männer und Frauen - mit Leitungsfunktionen betraut.

Die neue Aufteilung des Bistums Basel in drei Grossregionen stösst indessen nicht überall auf Begeisterung. Viel zu diskutieren gab beispielsweise die Frage, welche Kantone in welchen Regionen zusammengefasst werden sollen (vgl. Kasten). In den beiden Kantonen der Zentralschweiz (Luzern und Zug) wurde moniert, dass ein Zusammenlegen mit den Kantonen Thurgau und Schaffhausen wenig Sinn mache.

Mehr Zentralisierung?
Grundsätzliche Bedenken gegenüber der neuen Organisationsform meldet auch Urs Eigenmann an, der in den vergangenen Jahren sowohl im Kanton Aargau wie auch im Kanton Luzern längere Zeit als Leiter eines Dekanats zuständig war und heute unter anderem als Lehrbeauftragter für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität tätig wirkt.

Die grossräumige Regionalisierung des Bistums Basel führe faktisch zu einer Zentralisierung und zu einem Ausbau der Bürokratie im Bistum Basel, womit die Kommunikationsprobleme zwischen der Kirchenbasis und der Bistumsleitung in Solothurn kaum gelöst werden könnten, betont Eigenmann: «Durch die neue Struktur wächst die Gefahr, dass sich Bischof Kurt Koch und seine Mitarbeiter im Ordinariat noch mehr von der Basis entfernen.» Denn auf Grund der grossen geografischen Distanzen innerhalb der drei Bistumsregionen seien noch mehr Sitzungen notwendig. Damit gehe viel Zeit verloren, die dringend für die Kontakte und Vermittlungsarbeit vor Ort eingesetzt werden sollten.

Generalvikar Trauffer wehrt sich gegen den Vorwurf einer «wachsenden Zentralisierung» im Bistum Basel: Aus seiner Sicht führt die neue Struktur eher zu einer «Aufwertung der Regionen». Die Folge sei, dass die Regionalverantwortlichen künftig noch stärker in die Entscheidungsfindung des Bischofsrates eingebunden werden könnten.

Benno Bühlmann

 

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