St. Galler Tagblatt vom 8. Juni 2004
An der Messfeier mit Papst Johannes Paul II. am Sonntag in Bern wirkte Manuel Bilgeri als Lektor mit. Er ist Projektleiter in der Jugendseelsorge Thurgau in Weinfelden und war in der Vorbereitungsgruppe für den Papstbesuch.
Herr Bilgeri, als Mitglied der Jugendseelsorge Thurgau waren Sie an der Vorbereitung für den Papstbesuch beteiligt. In welchem Bereich genau?
Manuel Bilgeri: Wir Teilnehmer von der Jugendseelsorge Thurgau engagierten uns in der Organisation für den Sternmarsch, die Marktstände und Ateliers der Samstagnacht.
Wie lange dauerte Ihr Einsatz?
Bilgeri: Zwei Tage, unser Team ist am Freitagmittag angereist.
Wo haben Sie übernachtet - wenn überhaupt?
Bilgeri: Helferinnen und Helfer waren in einer Zivilschutzanlage untergebracht. Etwa drei Stunden betrug meine Ruhezeit.
Wie kamen Sie zur ehrenvollen Aufgabe, an der Papstmesse als Lektor zu wirken?
Bilgeri: Gesucht wurde jemand aus der Deutschschweiz. Nachdem wir einige Absagen erhalten hatten, erklärte ich, dass ich das gerne übernehmen würde.
Sie hatten wohl die nötige Erfahrung und Kenntnis?
Bilgeri: An speziellen Gottesdiensten habe ich früher schon mitgewirkt. Die Messfeier in Bern, der Anlass überhaupt, war schon einzigartig, herausragend. Ich war bisher erst an Jugendtreffen des Bistums Basel sowie im Flüeli-Ranft dabei.
Welches war die Lesung?
Bilgeri: Es handelte sich um die offizielle Lesung des Sonntags, ein eher etwas schwieriger Text von der Erschaffung der Welt.
Haben Sie den Papst das erste Mal erlebt? Wie ist Ihr Eindruck?
Bilgeri: Vor drei Jahren war ich in Rom an einer Audienz auf dem Petersplatz. Seine Ausstrahlung, schien mir, ist nicht mehr die gleiche. Ich spürte auch Mitleid aufkommen, dass er die Mühen einer solchen Reise auf sich nimmt.
Wie haben Sie Johannes Paul II. denn verstanden?
Bilgeri: Da war ich positiv überrascht, ich hatte mir das schwieriger vorgestellt. Am Samstag sprach er ziemlich gut verständlich, beim Gottesdienst am Sonntag haben wir ihn gegen den Schluss hin weniger gut verstanden. Eine solche Feier ist für ihn eine grosse Anstrengung.
Was war denn zuerst: der Papstbesuch oder das Jugendtreffen?
Bilgeri: Wir haben ein Jugendtreffen veranstaltet und Johannes Paul II. dazu eingeladen. Der Anlass ging dann immer vordergründiger als «der Besuch des Papstes in der Schweiz» in die Schlagzeilen ein. Das Jugendtreffen trat - nach aussen - in den Hintergrund.
Falls ein Persönlichkeitskult entstand, ist das nicht der Jugendbewegung anzulasten. Was ist denn Ihr Eindruck als Ganzes?
Bilgeri: Inhaltlich ist für die Jugendlichen viel entstanden, nicht etwa nur: «Ich habe den Papst gesehen.» Die Jugendlichen konnten sich austauschen, haben zusammen gefeiert, sie haben sich bei den Workshops, in den Ateliers, am Sternmarsch, am Fest und weiteren Gelegenheiten kennen gelernt.
War das über alle vier Landessprachen und -gruppen möglich?
Bilgeri: Die vier Sprachgruppen vermischten sich, es war anfänglich für manche sprachlich vielleicht anstrengend, hat aber gut funktioniert und harmoniert, es war schliesslich ein überraschend grosser Erfolg.
Habt ihr Jungen den Papstgottesdienst tatsächlich mit vorbereitet?
Bilgeri: Die Inhalte sind zum grossen Teil von Jugendlichen erarbeitet und ausgeführt worden, auch die Fürbitten. Das Wasser für die Eucharistiefeier wurde übrigens in den vier Schweizer Sprachregionen geschöpft: am Rhein, Inn, Ticino und aus der Rhone.
Funktionierte der Grossanlass ohne Pannen?
Bilgeri: Ein grosses Ereignis war es ganz sicher. Die Teilnehmenden dürften dieses als Erfolg erlebt haben. Für sie stimmte es. Jedenfalls habe ich das so gehört. Wir Helfer haben natürlich unsere eigene Organisation kritisch hinterfragt und stehen dazu: Ein so grosses Treffen in vielen Sprachen kann nicht an allen Ecken und Enden absolut reibungslos funktionieren.
Viele Sprachen sagen Sie? Mehr als vier?
Bilgeri: Ich bin auf kleinere Gruppen aus Italien, Spanien, Polen, Brasilien, Mexiko sowie Paraguay gestossen.
Haben Sie als Lektor der Papstmesse von Johannes Paul II. einen Händedruck erhalten?
Bilgeri: Das nicht, nein.
Das Geld zuletzt: Wer deckt die Kosten?
Bilgeri: Am Papstgottesdienst wurde das Opfer für das Jugendtreffen aufgenommen.
Interview: Hedy Züger