Newsletter Radio Vatikan vom 8. Mai 2004
Er ist ein gewaltiges ökumenisches Bekenntnis: 10.000 Teilnehmer sind zur Stunde in Stuttgart unter dem Motto "Miteinander für Europa" versammelt. Rund 175 Gemeinschaften aus mehreren Konfessionen hatten zu dem Treffen aufgerufen. Papst Johannes Paul II. hob in einer vor dem Kongress verlesenen Botschaft nicht nur die Bedeutung des Christentums für die Vergangenheit Europas, sondern für die Gegenwart und Zukunft hervor. "Die in Stuttgart versammelten Christen aus vielen geistlichen Bewegungen stellen unter Beweis, dass das Evangelium sie dazu geführt hat, den egoistischen Nationalismus zu überwinden und in Europa eine Völkerfamilie zu sehen, die an einer kulturellen Vielfalt und an geschichtlichen Erfahrungen reich ist, zugleich aber in einer Art Schicksalsgemeinschaft zusammenhält." Das europäische Haus können nur gelingen, wenn seine Erbauer auch über nationale und kontinentale Grenzen schauten und den ärmsten Ländern, besonders in Afrika, dienten.
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi würdigte in seiner Rede die Rolle des Christentums für Europa. "Die Geschichte Europas ist nicht denkbar ohne die Geschichte des Christentums mit all seinen Stärken und Schwächen. Die großen Gründungsväter Europas waren überzeugte Christen die sich bei der Arbeit für Europa von ihrem Glauben leiten ließen. ", sagte Prodi. Europa brauche eine Seele, erklärte der EU-Kommissionspräsident. Er forderte eine neue Politik, in der die Solidarität zwischen Europa und dem Süden der Welt konkret werde, die Rechte der anderen anerkannt und Versöhnung möglich werde - weltweit.
Unter den zahlreichen kirchlichen Würdenträgern sind auch die Kardinäle aus Prag, Miloslav Vlk, und Berlin, Georg Sterzinsky. Offizieller Vertreter des Vatikans ist Kurienkardinal Walter Kasper: "Es ist höchste Zeit, dass die Christen sich melden, dass junge Christen sich melden und sagen wir sind da und an die christlichen Wurzeln Europas erinnern. Denn anders kann Europa im Grunde nicht gelingen. Zum zweiten hat es eine große Bedeutung für die Ökumene. Auf der amtlichen Ökumene ist im Moment alles etwas verlangsamt, und es ist wichtig, dass die Bewegungen ein Netz bilden unter sich."
Die Bedeutung des ökumenisches Ereignisses unterstrich der ehemalige Präsident des Lutherischen Weltbundes, Landesbischof Christian Krause: "Es ist ein ganz, ganz wichtiger Augenblick, dass die Geistlichen Bewegungen dieses Netz knüpfen, die kriegen das besser hin. Ich weiß das als alter Kirchenmann. Das geht über Grenzen. Und dass sie uns ollen Bischöfe mitnehmen, das finde ich ganz toll dabei."
Nach Ansicht von Chiara Lubich, der Gründerin der Fokolare-Bewegung, sind die geistlichen Bewegungen eines der Mittel, um Europa eine Seele zu geben. "Da die meisten von Laien gegründet wurden oder vorwiegend aus Laienbestehen, haben sie ein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen und der gesellschaftlichen Belange. Sie bringen auch Eigenes ein in Politik, Wirtschaft und im Sozialwesen." Die Gemeinschaften bildeten in Europa ein Netzwerk geschwisterlicher Beziehungen, die Völker miteinander verbinden und so in Ansätzen europäische Einheit leben. Europa müsse sich öffnen in Richtung Afrika dem Kontinent der Kriege und der Armut mit Liebe und Verantwortungsgefühls, sagte Andrea Riccardi, der Gründer der sozial- und friedenspolitisch engagierten Gemeinschaft Sant´Egidio.
Am Nachmittag haben Jugendliche aus verschiedenen Ländern ihre Hoffnungen und Wünsche für Europa vorgetragen. Am Ende soll eine "Erklärung für Europa" verabschiedet werden. Darin wollen sich die Bewegungen verpflichten, am Aufbau der Europas tatkräftig mitzuwirken und die Stimme des Christentums einzubringen. Über Satellit wurde das Treffen in fast 200 Städte übertragen. Es gab Live-Schaltungen nach Budapest, Paris und Den Bosch (Niederlande).