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Auf jeden Fall ist der Film total brutal

Solothurner Tagblatt vom 27. Februar 2004

«The Passion of the Christ», der seit Monaten heftig umstrittene Jesus-Film von Hollywoodstar Mel Gibson, ist gestern mit rund 4000 Kopien in die amerikanischen Kinos gekommen. Erste Reaktionen.

Schon kurz nach Mitternacht waren die Menschen unterwegs, um «The Passion of the Christ» zu sehen. Erste Vorstellungen begannen um 3. 00 Uhr am Morgen. Allein in der Umgebung von Dallas (Texas) wollten rund 6000 Mitglieder von Kirchgemeinden die teils äusserst brutale Darstellung der Passion Christi in den letzten zwölf Stunden seines Lebens noch vor der Frühstückszeit erleben. In New York und anderen Grossstädten gab es bereits am Vorabend Sondervorführungen für Kirchgemeinden.

Quälende Bilder
«Ich stand kurz vor einer Ohnmacht. Diese Bilder vom blutenden Jesus am Kreuz werden mich nie wieder loslassen», sagte Rosalia Gomez, eine 48-jährige Verkäuferin, die den Film gemeinsam mit Mitgliedern ihrer Gemeinde von der Church of Incarnation in einem Harlemer Kino sah. «Das viele Blut hat mich irritiert», fügte Maria Vannoni von derselben Kirche hinzu. «Aber unser Herr hat nun mal furchtbar gelitten, so war es doch. »

Harte Urteile
Jüdische und einige christliche Organisationen hatten Gibson vorgeworfen, mit einer zweifelhaften Dramatisierung der Passionsgeschichte die Juden allgemein für den Tod Christi verantwortlich zu machen. Um den Vorhaltungen die Spitze zu nehmen, liess Gibson in jener Szene, in der ein jüdischer Mob von Pontius Pilatus die Kreuzigung Jesu verlangt, die Übersetzung im Untertitel streichen. Denn das Epos ist ausschliesslich auf aramäisch und lateinisch gedreht.

Dennoch sahen manche US-Filmrezensenten den Vorwurf der Judenfeindlichkeit als gerechtfertigt an. Der Kritiker der «New York Daily News» erklärte, «The Passion» sei «der schärfste antisemitische Film seit den Propagandafilmen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg». In anderen Besprechungen wurde dagegen darauf verwiesen, dass die einzigen sympathischen Charaktere in dem Film Juden seien und dass Gibson sich weitgehend an die Darstellung der Evangelien halte.

In den meisten Rezensionen wurde die Brutalität kritisiert, mit der Gibson darstellen liess, wie Jesus geschlagen, ausgepeitscht und schliesslich ans Kreuz genagelt wurde. Der Kritiker der Zeitung «USA Today» schrieb, der konservative Katholik Gibson habe aus der Passion Jesu auf Grund seiner «persönlichen Besessenheit» einen «widerwärtigen Todestrip» gemacht. Demgegenüber schrieb das Magazin «Time», es sei schwer, «Gibsons Passion nicht zu bewundern». Der 48-jährige Star habe einen «ernsthaften, ansehnlichen, quälenden Film gemacht, der ein totales Bekenntnis ausstrahlt». Während die Gewaltdarstellung alle anderen Eindrücke in den Hintergrund dränge, fehle es dem Film an Würde, bemängelte die «New York Times».

Nach der Kritik wegen der angeblichen Judenfeindlichkeit des Films war in mehreren US-Städten mit Protesten vor Kinos gerechnet worden. Zunächst bestätigten sich solche Befürchtungen jedoch nicht.

Garantierter Erfolg
In Branchenkreisen wird angesichts des grossen Andrangs damit gerechnet, dass der Film die Produktionskosten von rund 30 Millionen Dollar innerhalb weniger Tage wieder einspielt und danach erhebliche Gewinne erbringt. Den grössten Teil der Produktionskosten hat der Multimillionär Gibson aus eigener Tasche finanziert.

In der Schweiz hat der Film noch keinen Verleiher. dpa

 

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