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Basler Liturgische Kommission Studientagung „Liturgie und Sprache“ vom 21.-23. November 2011 in Bethanien, St. Niklausen OW

Die Studientagung 2011 der Basler Liturgischen Kommission (BLK) nahm sich dem Thema “Liturgie und Sprache“ an.

Die vom neuen Präsidenten der BLK, Pius Troxler, selbst moderierte Tagung wurde eröffnet mit einer Wort-Gottes-Feier in der Hauskapelle.

Der erste Nachmittag vom Montag 21. November wurde gestaltet durch zwei Impulsreferate zum Thema.

Den Eingangsvortrag hielt Dr. Stephan Wahle, Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Dogmatik und Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau/D. In seinem Vortrag „Auf der Suche nach einer angemessenen Liturgiesprache“ gab er zunächst einen Einblick in die Geschichte der liturgischen Sprache: Die Sprache der Liturgie und ihr Wandel von der Antike übers Mittelalter, via Konzil von Trient bis hin zum II. Vatikanischen Konzil 1962-65 und die anschliessende Liturgiereform. Neuere Profile der Kongregation für die Gottesdienste und die Sakramentenordnung (Liturgiam authenticam, 2001) wurden in den Kontext der Suche nach einer angemessenen heutigen Liturgiesprache im deutschsprachigen Raum gestellt. Wahle zeigte, dass sich die Liturgiesprache in der Geschichte stets von der Alltagssprache abhob. Er plädierte für eine „volkstümliche Sakralsprache“, die sowohl den überzeitlich gültigen Heilswahrheiten als auch den konkret feiernden Menschen gerecht wird.

Das zweite Referat, zu dem die evangelisch-lutherische Pastorin Anne Gidion aus Hamburg angereist war, hatte das spannende und neue Thema einer „leichten Sprache“ im Fokus. Die pastoral versierte Referentin vom Gottesdienstinstitut Nordelbien eröffnete ihr Plädoyer für eine leichte und verständliche Sprache in Gottesdienst und Liturgie mit einer neuen Seligpreisung: „Selig bist Du, wenn Du weisst, wie Du sprichst“. Die ursprünglich aus einer Selbsthilfebewegung für geistig Behinderte hervorgegangene Forderung nach einer leichten Sprache kann auch auf den gottesdienstlichen Kontext übertragen werden: Wenn wir heute als Kirche noch milieuübergreifend verstanden werden und im Kontext einer der Kirche zunehmend fremd gegenüberstehenden Gesellschaft neue Anknüpfungspunkte für das Christentum schaffen wollen, ist die Methode der leichten Sprache ein Basiswerkzeug.

Der erste Tag wurde durch Singen im Plenum unter der fachkundigen Leitung von Hansruedi von Arx aufgelockert.

Nach dem von Ludwig Hesse moderierten traditionellen Kaminfeuergespräch, bei dem die Referentin Anne Gidion Interviewpartnerin war, schloss der Tag mit einem Nachtgebet in der Hauskapelle.

Das dritte Referat am Folgetag wurde von Christoph Studer, Nachrichtenredaktor und –sprecher beim Schweizer Radio DRS gestaltet. Bei seinem Plädoyer für eine gute und verständliche Sprache wies er auf die Verwandtschaft der Texte für das Radio und für den Gottesdienst hin: Beide seien nicht für das Lesen sondern das Hören bestimmt – ein Faktum mit Folgen. Mit spannenden Beispielen aus der Radiopraxis und seinem Votum nach einer „entspannten Präsenz“ aller Verantwortlichen in Radio und Gottesdienst, wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studientagung manche praktische Orientierung an die Hand gegeben.

Der zweite Teil des Vormittags sowie der ganze Nachmittag des zweiten Tages gehörten sechs verschiedenen Ateliers, die je maximal dreimal durchgeführt wurden und allen Teilnehmenden der BLK-Tagung wahlweise offen standen:
Neben Ateliers der Referenten zu den Themen „Leichte Sprache“ (Anne Gidion) und „Schreiben und Sprechen fürs Hören“ (Christoph Studer), wurde von Hansruedi von Arx das Atelier „Verstehst du, was Du singst?“ und von Pius Troxler ein Mundart-Atelier angeboten: „Mundart in der Liturgie – Chancen und Grenzen.“

Ein Atelier mit dem Thema „Männliche-Weibliche Sprache im Gottesdienst“ wurde begleitet von Anne Lauer, Theologin in Basel.

Ein weiteres Werkstatt-Atelier bot Josef Willa vom Liturgischen Institut Fribourg zum Thema „Kyrie und Fürbitten“ an. [Das Liturgische Institut bietet online aktuelle Fürbitten an (jeweils zwei Tage vor Sonn- oder Festtagen). Zum Kyrie siehe den Artikel auf www.liturgie.ch (Dossier: danken – Messe)].

Nach einer gemeinsam gestalteten Eucharistiefeier mit Beiträgen aus den Werkstatt-Ateliers des Nachmittags und wunderbaren musikalischen Elementen, stand am Abend Kino auf dem Programm: Charlie Chaplins Film „Modern Times“ – eine Satire auf den Tonfilm –ein nonverbales Bonbon zum Thema Sprache.

Von den an der Tagung erfolgten Würdigungen wurde das in jeglicher Hinsicht gelungene Klangfestival CANTARS herausgehoben, das im Sommer 2011 mit mehr als 200 Chören und 6000 Sängerinnen und Sängern anlässlich des 125 jährigen Bestehens des Kirchenmusikverbandes im Bistum Basel in verschiedenen Städten stattfand. Die Tagung endete mit einer Auswertung der gottesdienstlichen Feiern, Vorträge und Ateliers am Mittag des Mittwoch 23. November.

Die engagierten Vertreter und Vertreterinnen der Dekanate an der Tagung der diesjährigen BLK konnten wertvolle Impulse für die Praxis mitnehmen, die sie in ihren Dekanaten geeignet zur Kenntnis bringen werden.

Gespannt dürfen wir bereits heute auf die nächste BLK im Jahr 2012 sein, die vom 19.-21. November am gleichen Ort tagen wird.

Carsten Gross, Basel

Hier finden Sie die Dokumente zu dieser Tagung, die ebenfalls unter BistumRäte und KommissionenBLK abgerufen werden können:

10 Leitsätze zur Formulierung von Fürbitten
Aufbau des Fürbittgebets
BLK Atelier männlich-weibliche Sprache
BLK Atelier Mundart
BLK Atelier Texte in Liedern
BLK Referat 1 Stephan Wahle
BLK Referat 2 Anne Gidion
BLK Referat 3 Christoph Studer

 

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