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Der Bischof mischt sich unters Volk

Bischof Kurt Koch zelebrierte die Fronleichnamsmesse. Danach sprach er mit der Bevölkerung über Gott und die Welt - ein Bericht aus der Neuen Luzerner Zeitung

Unterägeri feiert 2010 das 150-Jahr-Jubiläum der Pfarrkirche Heilige Familie. Die Festlichkeiten unter dem Motto «Um Himmels willen» begannen am 3. Juni mit einem Paukenschlag: Bischof Kurt Koch las die heilige Messe.

Kirchenratspräsident Max Dinser freute sich über «einen gut besuchten Gottesdienst», der vom Kirchenmusikverein Unterägeri gekonnt umrahmt wurde. Kantor Urs Zimmermann sang das Kyrie. Die Herrgottskanoniere Kurt Iten und Markus Biermann, die sich mit kleinen Kanonen hoch über dem Tal positioniert hatten, feuerten zu Beginn der Messe, bei der Wandlung und bei der Segnung mehrere Böllerschüsse ab. Die geplante Prozession fiel jedoch aus.

«Schwere Bürde»

Die Gläubigen waren tief beeindruckt vom Bischof. «Ich sehe ihn zum ersten Mal. Seine gebückte Haltung lässt erahnen, dass er eine schwere Bürde trägt», sagte Rolf Eichholzer, der eigentlich wegen seiner Tochter Fabiana den Gottesdienst besuchte, die zusammen mit rund 50 anderen, in weisse Gewänder gekleideten Kindern den Abschluss ihrer 1. Kommunion feierte.

Apéro mit dem Bischof

Gebückte Haltung hin oder her: Nach dem Gottesdienst sprach Bischof Kurt Koch mit der Bevölkerung geduldig über Gott und die Welt. Die hochrangigen Ehrengäste wie Regierungsrat und Diözesanrat Joachim Eder, Standesweibel Paul Langenegger oder die Unterägerer Gemeinderäte, angeführt von Präsident Josef Ribary, mussten sich gedulden, bis der Bischof zum Apéro erschien.

«Unbezahlbar»

Gegenüber unserer Zeitung sagte Bischof Koch: «Ich bin gerne nach Unterägeri gekommen. Zum Kanton Zug habe ich insofern eine Beziehung, indem ich als Kind oftmals bei meiner Grosstante Ferien verbrachte, die eine Gärtnerei an der Göblistrasse in Zug hatte.» Angesprochen auf die in letzter Zeit zunehmenden Austritte aus der Kirche, meinte Bischof Koch: «Die Austritte aus der Kirche haben vielfältige Gründe. Inwiefern die Innerschweiz davon betroffen ist, weiss ich nicht, weil die Austritte bei den Kirchgemeinden geschehen.» Sicher sei, dass die aus der Vergangenheit bekannt gewordenen Missbrauchsfälle der Kirche geschadet hätten.

Und auch die Kirchenbesuche hätten extrem abgenommen. Umso mehr freue es ihn, dass ihm jede Woche ein bis zwei neue Ein- oder Übertritte zur katholischen Kirche gemeldet würden.

Von der Pfarrei Unterägeri hat Bischof Kurt Koch einen guten Eindruck gewonnen. «In den Gesprächen mit der Bevölkerung habe ich festgestellt, dass sich in dieser Pfarrei sehr viele Leute ehrenamtlich engagieren. Unbezahlte Arbeit ist unbezahlbar», so Bischof Koch, «ohne sie könnten sowohl die Kirche als auch der Staat kaum funktionieren.»

Neue Luzerner Zeitung, 4. Juni 2010

 

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